Laufen nach Gefühl

Heute stand der zweite Wettkampf des Jahres auf dem Plan. Der Stutenseer Stadtlauf hat ein flaches Profil und ist sehr nah zu meiner Wohnung gelegen. Zwei Pluspunkte, die meine Wahl zu seinen Gunsten beeinflussten. Außerdem war da noch diese aktuelle PB aus dem Jahr 2012 (41:51 min), die so langsam einmal abgelöst werden sollte.

Als ich mir gerade den Pulsgurt und die Startnummer angelegt hatte, gab es eine schlechte Überraschung: der Akku von meinem Forerunner war leer. Ich hatte die Uhr zwar noch am Vortag zum Laden eingesteckt, aber dabei anscheinend nicht darauf geachtet, ob das Kabel auch korrekt sitzt. Sehr ärgerlich und für eine Minute hatte mir das auch echt die Lust verdorben. Aber he, was soll’s? Lieber bei einem solchen Wettkampf, als beim Saisonhighlight. Und das war ja nicht das erste Mal, dass ich nur nach Gefühl laufe.

Ich gehöre zu der Fraktion, die sehr gerne mit einer GPS Uhr läuft. Beim Wettkampf kontrolliere ich damit gerne meine Geschwindigkeit und das hilft mir vor allem auf den ersten Kilometern dabei, nicht zu schnell zu laufen. Genau das passierte aber und nach dem Passieren der dritten Kilometermarke spürte ich ein leichtes Seitenstechen, das mich zu einer angepassteren Geschwindigkeit zwang.

Da ich meine aktuelle Laufgeschwindigkeit nicht einschätzen konnte, hoffte ich in der Mitte des Laufs noch, eine Zeit von unter 45 Minuten zu schaffen. Quasi als Mindestziel, um den Wettkampf als Lehrstunde abzuhaken. Zeitweise kam mit meine Pace nicht besonders schnell vor, allerdings konnte ich das nur anhand meiner Atmung beurteilen.

Im Ziel gab es leider keine große Zeitanzeige, aber meine Freundin meinte, dass ich bei 41 oder 42 Minuten da war. Hundertprozentig sicher war sie sich allerdings auch nicht. Ich setzte mich nach dem Lauf direkt auf mein Rad und fuhr noch 50 km, denn der Wettkampf war als Teil eines Koppeltrainings geplant gewesen.

Als ich am Abend einen Blick in die offizielle Ergebnisliste warf, staunte ich nicht schlecht, als ich mein Ergebnis entdeckte. Ich bin tatsächlich 41:29 min gelaufen und habe damit meine bisherige PB aus dem Jahr 2012 verbessert. Und das unter den gegeben Bedingungen.

Ich habe an Ostern einen weiteren 10k Wettkampf geplant und hoffe, dass ich dann (mit Uhr) kontrolliert die 39:xx angreifen kann.

Bienwald Halbmarathon 2014

Alle Jahre wieder lockt der Halbmarathon in Kandel mit seiner schnellen Strecke. Vom Termin her ist der Lauf ideal, um einen ernsthaften Formtest zu absolvieren. Ich lief hier 2011 meinen ersten Halbmarathon und war seit dem jedes Jahr am Start. Im letzten Jahr schaffte ich es in Kandel sogar, das erste Mal unter 1:30 Stunden zu laufen.

In diesem Jahr gelang mir das leider nicht. Mein großes Saisonziel ist die Challenge Kraichgau und aktuell habe ich absichtlich noch keine Topform. Trotzdem habe ich mir eine Zeit von rund 1:30h zugetraut und eigentlich hätte diese auch drin sein müssen. Aber manchmal kommt es halt anders, als man denkt.

Seit Donnerstag oder Freitag fühlte ich mich ziemlich erschöpft, obwohl die vergangene Trainingswoche mit Hinblick auf dem Halbmarathon am Sonntag sehr locker war. Das äußerte sich darin, dass ich trotz normalem Schlafpensum sehr müde war und auch mal am Samstag gegen 22 Uhr einfach so auf der Couch einschlief. Ok, ich schlafe ab und an mal auf der Couch ein, dann aber eher 2-3 Stunden später. Im Nachhinein denke ich, dass dies alles eine Kombination aus seiner stressigen anstrengenden Woche und dem Wetterumschwung war. Kalt auf warm, das vertrage ich nicht so gut.

Jedenfalls stand der Bienwald Halbmarathon an und da wollte ich mich nicht drücken, nur weil ich mich nicht superfit fühlte. Bei einer ernsthaften Erkrankung wäre das was anderes gewesen, aber das war es ja nicht.

Ich wollte die ersten Kilometer mit 4:20 min angehen und dann sehen, was mein Körper meint. Natürlich waren die ersten beiden Kilometer traditionell zu schnell. Dann pendelte ich mich aber bei rund 4:20 min pro km ein.

Ab km 10 fiel mir das Laufen dann zunehmend schwerer. Ich kann das nicht an einem konkreten Symptom festmachen, aber ich fühlte mich einfach ziemlich kaputt und schleppte mich dann mehr oder weniger über den Rest der Strecke. Leider hatte meine HF Messung in der zweiten Hälfte Probleme, so dass ich keine Werte zur Verfügung habe. Hätte mich interessiert, mit welchem Puls ich da gelaufen bin.

Irgendwie schaffte ich es dann in 1:34:57 Stunden ins Ziel. Auch wenn diese Zeit deutlich von meiner Leistung im letzten Jahr entfernt ist, bin ich damit zufrieden. Unter den Umständen war einfach nicht mehr drin.

Stadtwerkelauf Karlsruhe 2013: DNF is not an option!

Im letzten Jahr bin ich beim Volkslauf der Stadtwerke Karlsruhe meine aktuell noch bestehende persönliche Bestzeit über 10 km gelaufen. Ein Lauf, der mir noch gut in Erinnerung ist. In diesem Jahr war ich ebenfalls wieder am Start und der Lauf wird mir sicher auch gut in Erinnerung bleiben. Denn bisher war ich noch nie so nahe dran, einfach das Handtuch zu werfen und einfach aufzugeben.

Der Wettkampf war auch irgendwie ein Experiment: wie schnell kann ich nach drei Wochen Urlaub (fast) ohne Training eigentlich laufen? Die Antwort: erstaunlich schnell. Die ersten beiden Kilometer liefen erstaunlich in einem Schnitt von unter 4 min/km. Leider breitete sich dann ein ziemlich unangenehmes und schmerzhaftes Seitenstechen in meinem rechten Oberkörper aus. Ich nahm darauf Tempo heraus und lief erst mit einem Schnitt von 5:00 min/km, kurz darauf aber auch deutlich langsamer.

Das fühlte sich nicht nur körperlich richtig schlecht an. Der Gedanke, einfach auszusteigen kam auch recht schnell. Als ich mir aber sicher war, dass es nur ein harmloses Seitenstechen und nichts ernsthaftes ist, versuchte ich noch, das Beste aus der Sache zu machen. Wenn schon keine neue Bestzeit, dann wenigstens ein Tempowechsellauf, der beim Intervalltempo begann und über GA1 schließlich mit GA2 endete. Und obendrauf gab es im Ziel sogar noch eine kleine Medaille, da es in diesem Jahr die 30. Auflage des Stadtwerkelaufs gab. Am Ende beendete ich den Lauf in 48:48 Minuten, das ist eigentlich ein reiner GA2 Lauf schneller. Aber Haken dran und weiter nach vorne blicken. Ein kleiner Trost: der Lauf musste aufgrund des schlechten Wetters kurzfristig in seinem Verlauf verändert werden und war daher 300 Meter zu lange. Eine richtige Bestzeit hätte man dann sowieso nicht laufen können…

Fazit: jeder Wettkampf ist ein Abenteuer. Ich freue mich schon auf das nächste.

Eine Mitteldistanz geht immer

Der im letzten Artikel angekündigte Breisgau Triathlon liegt rund einen Monat zurück. In der Zwischenzeit habe ich drei Wochen Urlaub (ja Urlaub, kein Trainingslager) gehabt und mich mal so richtig schon erholt. Daher kommt dieser kleine Rückblick etwas verspätet.

Über meine Motivation und Vorbereitung habe ich ja ausführlich im letzten Artikel geschrieben. Und obwohl ich den Wettkampf ganz easy angehen wollte, entwickelte sich am Morgen vor dem selbigen die gewohnte Anspannung, wie ich sie immer vor einem Wettkampf verspüre. Ein gutes Gefühl. Mir war klar, dass ich den Triathlon nicht einfach nur locker abspulen kann. Damit es Spaß macht, muss es auch anstrengend seit. Zumindest ein wenig…

Swim – 46:03 min
Es waren insgesamt 2 km zu schwimmen, die sich auf zwei Runden im See aufteilten. Wegen der sommerlichen Temperaturen natürlich ohne Neo. Ich bin im Schwimmen mittlerweile so sicher, dass mir das keine Angst macht. Ich kann wenn es sein muss auch 3 km ohne Neo im See schwimmen. Mein Problem ist meine optimierungsfähige Wasserlage, die mich leider etwas ausbremst. Von daher bin ich mit der Zeit völlig zufrieden. Mit Neo wäre ich wahrscheinlich rund 5 Minuten schneller gewesen. Ich hoffe, dass ich mich im Schwimmtraining über den Herbst/Winter weiter verbessern kann und dadurch in der kommenden Saison 2014 meine Schwimmzeiten weiter steigern kann.

T1 – 2:51 min
In der ersten Wechselzone musste man viel laufen, dennoch habe ich hier einiges an Zeit verloren. Die Handgriffe sitzen einfach noch nicht wirklich gut.

Bike – 2:50:12 h
Mit dem Rad waren insgesamt 80 km zu bewältigen, die sich auf einen kurzen flachen Prolog von 7 km und drei anschließende Runden aufteilten. Jede Runde hatte zwei knackige Anstiege und Abfahrten. Vor allem die zweite Abfahrt, die durch die Weinberge führte, hatte es in sich. Einige richtig scharfe Kurven zwangen mich dazu, teilweise richtig viel Tempo herauszunehmen. Da wäre noch mehr drin gewesen, wenn ich mehr (oder vielleicht auch systematischer) auf dem Rad trainiert hätte. So gesehen passt die Zeit.

T2 – 0:48 min
Der zweite Wechsel klappte aus meiner Sicht ideal. Am Eingang der Wechselzone wurde mir das Rad abgenommen und wenige Meter später reichte mir schon eine Helferin meinen Beutel. Dank dem Schnellschnürsystem muss ich in meine Laufschuhe nur hineinschlüpfen und kann direkt loslaufen.

Run – 1:54:35 h
Ich wusste, dass die Laufstrecke aufgrund des Profils anstrengend sein würde. Aber ich hatte keine Ahnung, dass es eine Laufstrecke für Masochisten ist. Die ersten zwei Kilometer lief alles super. Denn da ist die Strecke auch noch flach. Ich freute mich darüber, dass ich ganz gute Beine hatte, obwohl mein letztes Koppeltraining im Rahmen der Challenge Kraichgau stattfand…

Aber dann kam der erste lange Anstieg, der mir die komplette Kraft aus den Beinen und dann aus dem Rest des Körpers zog. Am Ende des Anstiegs war ich mir nicht mehr sicher, ob ich noch lief oder schon ging. Der Rest der Strecke war größtenteils auch wellig, allerdings ohne einen so starken Anstieg. Dafür bestand die Laufstrecke aus zwei identischen Runden, so dass man den ganzen Spaß doppelt genießen konnte. Ich gebe zu: noch nie war ich nach einem Halbmarathon so erledigt.

Finish – 5:34:40 h
Der Breisgau Triathlon hat eine anspruchsvolle Strecke. Vor allem die Laufstrecke ist hart und hat mir ehrlich gesagt keinen Spaß gemacht.  Mit der Zeit bin ich absolut zufrieden, allerdings gedenke ich bei meiner nächsten Mitteldistanz wieder eine bessere Vorbereitung einzuplanen. Denn es hilft ja alles nichts: eine 4 beim Stundenzähler sieht einfach besser aus.

Mein erster Radmarathon

Am vergangenen Samstag habe ich meinen ersten Radmarathon in Angriff genommen. Die Strecke führte von Karlsruhe nach Baerenthal in Frankreich und anschließend wieder zurück nach Karlsruhe. Meine persönliche Herausforderung lag in der Distanz, die vom Veranstalter mit satten 203 Kilometern angegeben war. Bisher bin ich bei meinen Touren meist im Bereich von 70-100 km geblieben.

Die Strecke war hervorragend ausgeschildert und führte über verkehrsarme Straßen und durch landschaftlich sehr schöne Gebiete. Da die Veranstaltung nicht als Rennen ausgelegt war und meine Begleitung einige Probleme mit der Wade hatte, war die Geschwindigkeit im moderaten Grundlagenbereich. Das war aber auch in Ordnung. Man muss sich ja nicht immer kaputt machen. Außerdem wusste ich nicht, wie sich 200 km anfühlen und ich hatte ehrlich gesagt keine Lust, auf den letzten Kilometern zu kaputt zum pedalieren zu sein.

Nach 7:34 Stunden reiner Fahrzeit und 9:18 Stunden insgesamt war dann das Ziel in Karlsruhe erreicht. Mein Garmin zeigte allerdings nur knapp 195 km an. Ich bin nicht sicher, ob dies eine Ungenauigkeit an meinem Gerät oder der offiziellen Angabe ist. Der Radmarathon hat Spaß gemacht und ist absolut empfehlenswert. Für ein kleines Startgeld gab es eine hervorragend ausgeschilderte Strecke, Begleitfahrzeuge und gute Verpflegung an den einzelnen Kontrollpunkten. Sofern die Veranstaltung zeitlich im nächsten Jahr passt, bin ich gerne wieder dabei.

Sportlich betrachtet hat mir meine Teilnahme gezeigt, dass ich auch lang und weit mit dem Rad fahren kann. Eine wichtige Voraussetzung für das Fernziel Langdistanz. Radmarathons oder Radtouristikfahrten erscheinen mir auch als eine interessante Variante für längere Trainingstouren.

Ettlinger Altstadtlauf 2013

Mit dem Ettlinger Altstadtlauf verbinde ich sehr viel. Vor vier Jahren war es schließlich genau dieser Lauf, der die Faszination für den Ausdauersport in mir weckte. Eine Faszination, die zur Leidenschaft wurde und immer noch anhält.

Meine körperliche Verfassung war diesmal aber nicht ganz optimal. Die Nachwirkungen der Challenge Kraichgau sowie der lockeren Radtour mit den Kollegen steckte mir noch in den Beinen. Am Tag vor dem Lauf wollte ich dann aber trotzdem mal testen, wie es um meine Beine steht. Also nach der Arbeit geschwind in die Laufschuhe geschlüpft und ganz locker 5 km gelaufen. Mehr als locker war aber auch nicht drin. Zumindest nicht ohne übermäßige Quälerei.

Nun ja, was soll’s. Man kann nicht in jedem Wettbewerb eine neue persönliche Bestzeit aufstellen. Vor allem, wenn man nicht ernsthaft darauf trainiert hat. Und so sehr ich den Altstadtlauf auch mag: In meiner Jahresplanung gibt es andere Höhepunkte. Daher war meine Strategie einfach: Einfach mal sehen, was geht.

Eine Besonderheit am Rande: Neben den eigentlichen Wettbewerben gab es zum 10. Jubiläum auch noch eine “Promi-Staffel”, in der neben dem Bürgermeister, dem Geschäftsführer der Stadtwerke und dem Vorstand der Volksbank auch die Triathlonprofis Thomas Hellriegel, Daniel Unger, Stephan Vuckovic sowie Marathon-Ass Sören Kah mitliefen. Für einen Ort wie Ettlingen wirklich klasse.

Der Lauf war so, wie ich erwartet hatte: hart. Vor allem die ersten 5 km waren sehr anstrengend. Mir schien, als ob meine Muskulatur danach etwas lockerer war. Das Laufen fiel mir jedenfalls leichter. Wobei leichter hier nicht mit leicht verwechselt werden darf. Ich war sehr froh, als ich endlich im Ziel war. Offiziell sind es dann 42:32 min geworden, was mich ehrlich gesagt überrascht hat. Ich hatte beim Start gehofft, möglichst nahe an die 45 min zu kommen.

Challenge Kraichgau 2013

 

AthletenarmbandUnd plötzlich war dieser 09. Juni da. Meine erste Halbdistanz. So ein halber Ironman hört sich für das fachfremde Ohr vielleicht nach einer halben Sache an. Mich hat er aber voll und ganz an meine Grenzen und vielleicht sogar wenige Zentimeter darüber hinaus gebracht. Ein wunderbares Gefühl. Aber alles der Reihe nach.

Vorspiel
Mein Wecker klingelte um fünf Uhr am Morgen und ich war schlagartig wach. Raceday! Frühstück, wach werden, den Kreislauf in Schwung bringen. Die übliche Prozedur.

Als wir gegen halb acht am Start parkten und gerade aus dem Auto ausgestiegen waren setzte ein ausgeprägter Platzregen ein. Also erstmal wieder zurück ins Auto. Die erste Startgruppe soll um 9 ins Wasser, meine Gruppe erst um 9:45. Genügend Zeit, damit sich das Wetter bessert. Also theoretisch. Praktisch sieht es aber ganz anders aus. Durch die Windschutzscheibe kann ich den Regen und grob zwei Gruppen von Athleten beobachten: Diejenigen, die in ihren Neos durch die Gegend laufen und die, die ihre Räder aus der Wechselzone schieben, um nach Hause zu fahren. Verstehen kann man beide. Zu diesem Zeitpunkt denke ich auch ernsthaft über meine Teilnahme nach. Der andauernde Platzregen ist ein erstklassiger Nährboden für Zweifel.

Rund eine halbe Stunde vor dem Start wird selbiger um dreissig Minuten verschoben. Der Veranstalter steht im Kontakt mit dem Wetteramt und verkündet, dass das Unwetter über uns hinwegziehen wird. Kurz darauf wird der Start dann nochmals um dreissig Minuten verschoben. Als sich der Starkregen zu einem Leichtregen entwickelte, verwarf ich den Gedanken, nicht zu starten. Eine Höchstleistung würde ich aber nicht bringen können. Allein schon wegen der nassen Straßen. Mein geheimes Ziel von einer Zielzeit unter 5:30h müsste daher waren. Einzig allein das gesunde Ankommen sollte zählen.

Swim – 37:52 min
Meine Startgruppe startet um 10:30 Uhr und wir konnten uns einige Minuten zuvor einschwimmen. Bevor ich ins Wasser ging, nahm ich noch schnell ein Gel zu mir. Das Wasser war erfreulich warm. Irgendwo las ich etwas von 19 Grad. Meine Strategie war einfach: Nicht überpacen und ohne große Klopperei durchkommen. Ich reihte mich am rechten Rand ein und wartete auf den Startschuss. Diese letzten Momente nutzte ich, um tief durchzuatmen und die Aufregung abzuschütteln. Und dann kam auch schon dieser Kanonenschuss, der auch schon die Startgruppen vor uns auf die Strecke geschickt hatte. Es ging los. Endlich. Keine Zeit für Aufregung oder fremde Gedanken. Die nächsten Stunden sollte der Alltag aus meinen Gedanken verschwinden.

Ich schwamm hauptsächlich im Dreierzug und versuchte lange und Züge zu machen. Dadurch wollte ich mich zwingen, die nötige Ruhe zu behalten und nicht zu überpacen. Die Strategie ging auf. Nach ein paar Minuten hatte ich meinen Rhythmus gefunden, dem ich für den Rest der Schwimmstrecke folgte. Das Schwimmen wurde nach rund einem Kilometer etwas erschwert, als meine Brille beschlug. Im Training macht sie das nie. Ich dachte kurz daran, mich auf den Rücken zu drehen und das gute Stück auszuspülen. Aber dann entschied ich mich dagegen und orientierte mich stattdessen an den Schwimmern vor mir. Das klappte soweit ganz gut. Und trotz des Nebels in meinem Blickfeld konnte ich die Bojen ganz gut erkennen. Zumindest, wenn ich mich bis auf 100 Meter genähert hatte.

Bei der gründlichen Vorbereitung hatte ich mir die Schwimmstrecke bzw. die Anzahl der Bojen falsch eingeprägt. Das führte dann dazu, dass nach Passieren der letzten Boje dachte, dass da noch eine weitere vor dem Schwimmausstieg kommt. Das stimmte aber nicht und so sehr ich Freiwasserschwimmen auch mag: Ich war nicht traurig über diesen Irrtum.

T1 – 2:58 min
Das Wasser wurde heller und dann war der Grund zu sehen. Direkt vor mir befand sich das schwarze Tor, das den Schwimmausstieg markierte. Ich stand auf und nach den ersten unsicheren Schritten ging es ab in Richtung der ersten Wechselzone. Unter den Zuschauern am Schwimmausstieg konnte ich meine Freundin erkennen. Nun, ich erkannte sie erst, nachdem sie meinen Namen gerufen hatte. Tunnelblick und so.

Der eigentliche Wechsel lief problemlos. Mein Körper flutschte geradezu aus dem Neo und ich hatte auch kein Problem, meinen Wechselbeutel zu finden. Da mein Rad am Ende der Wechselzone stand, nahm ich die Radschuhe in die Hand, um sie erst dort anzuziehen. Brille auf, Helm auf, Schuhe an und los.

Bike – 2:54:40 h
Die ersten zehn Kilometer der Strecke sind nahezu eben, sodass man schön drücken kann. Kette rechts eben. Das änderte sich im Land der tausend Hügel mehrfach, denn die namensgebenden Hügel forderten auch stellenweise Kette links von mir ein. Zum Glück kannte ich die Strecke aus dem Training, sodass ich bei den Anstiegen genau wusste, wie lange ich, ähm, den Anstieg genießen darf. Meine Strategie auf dem Rad war einfach: Viel trinken, genügend essen und so schnell wie möglich fahren.

Ich hatte an mein Bike eine Aerobottle montiert, die am Start gefüllt war. Bei jedem Versorgungspunkt schnappte ich mir eine Trinkflasche mit Iso und füllte sie in die Aerobottle um. Insgesamt gab es vier Verpflegungsstellen, sodass ich rund 3,5 Liter Iso in mich füllte. Um meinen Energiebedarf zu deckten, hatte ich drei Riegel in meiner Oberrohrtasche sowie eine Trinkflasche, in der ich 5 Gels in Wasser aufgelöst hatte. Ich aß alle 20 km einen Riegel und nahm alle 10 km einen großen Schluck aus der Gelflasche. Das klappte gut und mein Magen spielte ebenfalls mit.

Der dritte Teil meiner Strategie sah so aus, dass ich in der Ebene und in den Abfahrten viel Druck machte, um die langsamen Kletterpassagen zu kompensieren. Meine größte Sorge auf dem Rad war es, dass ich mich bergauf so kaputt mache, dass danach nichts mehr geht. Darum konzentrierte ich mich beim Klettern auf meinen Puls und mein subjektives Befinden und schaltete im Zweifel lieber einen Gang runter. Der Plan ging auf. Ich freute mich auf der Radstrecke übrigens über jeden Fahrer mit Zeitfahrad, den ich mit meinem Alu-Rennrad überholen konnte. Sowohl bergauf als auch auf der Ebene.

Die letzten drei Kilometer fuhr ich einen kleinen Gang mit hoher Drehzahl. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass das die Beine lockert. Oder dass Profis das so machen. Und dann kann das ja nicht schaden, denn meine Beine waren zu diesem Zeitpunkt nichtmehr ganz frisch.

T2 – 1:19 min
In der zweiten Wechselzone wurde mir das Rad von einem Helfer abgenommen. Service wie bei den Profis. Der Rest des Wechsels lief dann analog zur ersten Wechselzone ab: Beutel schnappen, hinsetzten. Ein Helfer nahm meinen Beutel und leerte ihn vor mir aus. Während ich meine Laufschuhe anzog, wurden meine Radschuhe und mein Helm im Beutel verstaut. Service wie bei den Profis, aber das erwähnte ich ja schon.

Run – 1:46:44 h
Laufen, das ist meine Disziplin. Meine liebste Disziplin. Meine stärkste Disziplin. Im Training laufe ich einen Halbmarathon ohne große Anstrengung in einer Zeit zwischen 1:50 und 1:40 Stunden. Je nach Tagesform ist das GA1-GA2. Bei einem Triathlon spielt das mitunter aber keine Rolle.

Nach den ersten zwei oder drei Kilometern wusste ich, dass dies kein Zuckerschlecken werden würde. Konditionell fühlte ich mich den Umständen entsprechend noch ganz gut. Der Magen war ebenfalls in Ordnung. Bei meinen Oberschenkeln sah es schon ganz anders aus: die waren nämlich richtig müde. Am schlimmsten waren aber meine Füße. Ich konnte recht sicher spüren, dass sich an beiden Füßen Blasen bildeten. Mit knapp 18 Kilometern, die vor mir lagen, war das nicht unbedingt motivierend. Aber das half ja nichts. DNF is no option!

Und so wurde ich in jeder der drei Runden, die zu laufen waren, etwas langsamer. An den zahlreichen Verpflegungspunkten trank ich reichlich und nahm dankbar die nassen Schwämme, um mich damit zu erfrischen. Irgendwann muss sich dann der Autopilot eingestellt haben und die Kilometer wurden immer weniger. Die letzten beiden Kilometer lief ich dann aber wieder ganz bewusst. Ich spürte so eine Art Vorfreude auf das Ziel, die mich die Strapazen vergessen lies. Und dann war es auf einmal da: das Ziel. Das rote Challenge Tor. Ein geiles Gefühl. Nach dem Finish gratulierte mir noch ein Mitarbeiter der Challenge. Eine Frau hängte mir meine Medaille um. Ich bin körperlich total erledigt. Aber glücklich. Meine Gedanken drehen sich um drei Dinge: Freundin, Bier, Kuchen. In meinen kühnsten Träumen und best Case Berechnungen hatte ich an eine sub 5:30h gedacht. Am Ende sind es 5:23:32h geworden. Um es mit meinen Worten zu sagen: Mega!

Danach
Ich habe ein paar Tage gebraucht, um das alles zu verarbeiten. Zum einen körperlich, zum anderen aber auch mental. Die Challenge hat mich in jeder Hinsicht an meine Grenzen gebracht und ich bin dankbar dafür. Das ist ja wie im Training: Um sich weiterzuentwickeln, muss man die Komfortzone verlassen. Außerdem hat mir die Challenge gezeigt, wo meine Stärken und Defizite liegen. Das ist ein wertvoller Input, um mein künftiges Training zu optimieren.

Und sonst? Die Halbdistanz hat mir mehr Spaß gemacht, als meine bisherigen kurzen Triathlons. Das deckt sich mit meinen Erfahrungen beim Laufen. Ein Halbmarathon oder auch ein ganzer machen mir mehr Spaß als ein 10-km-Lauf. Vielleicht, weil man bei den längeren Distanzen in einem angenehmeren Pulsbereich unterwegs ist und ein gewisses strategisches Denken ins Spiel kommt.

Das Fernziel Langdistanz bleibt weiter bestehen, aber ich denke, dass ich dieses Abenteuer nicht vor 2015 angehe. Davor muss auf jeden Fall noch die 5h Grenze auf der halben Distanz fallen.

 

Halbdistanz: I did it!

Challenge Kraichgau, mein Debüt auf der Halbdistanz. Noch kribbeln die Muskeln, vor allem in den Beinen. Man, war das ein Abenteuer. Mein Ziel war eine Zeit von unter sechs Stunden, insgeheim hoffte ich darauf, die Grenze von 5:30h zu unterbieten. Am Ende sind es dann für mich unglaubliche 5:23:32h geworden. Der ausführliche Bericht folgt demnächst. Sobald ich das alles begriffen habe.

Auf der Laufstecke

Heidesee Triathlon – eine coole Sache

Sonnenschein am HeideseeDer Heidesee Triathlon in Forst war in jeder Hinsicht eine coole Sache. Zum einen natürlich, weil Triathlon per Definition cool ist. Zum anderen aber, weil cool das Wetter ziemlich gut beschreibt. Das Wetter war in den vergangenen Tagen und Wochen ja leider meist weit vom Frühling entfernt. Dennoch war es sehr schade, dass gerade am Wettkampftag Herbstwetter herrschte. Aber so schnell lässt sich ein Triathlet den Spaß nicht verderben. Außerdem war der Startschuss für die Kurzdistanz (1/32/7,5 km) erst für 13:45 Uhr angesetzt. Das machte zumindest Hoffnung auf ein trockenes Rennen. Mein persönliches Ziel war es, die Wettkampfroutine zu festigen und Spaß zu haben. Das nächste große Highlight ist und bleibt die Challenge Kraichgau. Der Heidesee Triathlon ist nur eine Etappe auf dem Weg dorthin. Und klar, unter 2 Stunden wollte ich natürlich auch bleiben. Weiterlesen

Badische Meile 2013

Jedes Jahr findet in Karlsruhe ein Volkslauf über die Distanz der Badischen Meile statt. Dabei handelt es sich um ein (ganz) altes Maß, das 8,88889 km entspricht. In der Praxis waren es aber eher 8,5 km.

Ich habe den Lauf zum einen als Tempotraining und zum anderen als social Sports Event gesehen, denn die liebe Ute hatte es sich zur Aufgabe gemacht, eine ganzes Team an Läufern via Twitter zu rekrutieren. An dieser Stelle nochmals Danke für den ganzen Aufwand.

Über den Lauf an sich gibt es nicht viel zu sagen. Das Wetter spielte mit und bei schönstem Sonnenschein wurde durch Karlsruhe geballert. Natürlich nur, um danach einen guten Grund für ein eiskaltes Elektrolytgetränk zu haben. Mit der Zeit (36,06) bin ich total zufrieden.