Hysterie des Körpers

Ich bekam letzten Monat das Buch Hysterie des Körpers von Joey Kelly zum Geburtstag geschenkt. Kelly erzählt darin von seiner 2010 erfolgten Durchquerung von Deutschland. Damals lief er in knappen drei Wochen von Wilhelmshaven bis auf den Gipfel der Zugspitze. Bei einer Distanz von ungefähr 900 Kilometern fällt da eine ordentliche Tagesstrecke an. Erschwerend kam noch dazu, das Joey Kelly sich nur mir den Dingen verpflegen durfte, die er unterwegs fand. Geschenke durften keine angenommen werden. Wem das jetzt irgendwie bekannt vorkommt, der hat entweder Ende 2010 eine Reportage über das Projekt bei Stern TV gesehen oder ist schon etwas älter und erinnert sich an ein ähnliches Projekt von Rüdiger Nehberg Anfang der 1980er Jahre.

Ich habe das Buch gestern ausgelesen und meine Eindrücke sind daher noch recht frisch. Im Gegensatz zum kürzlich gelesenen Buch von Wigald Boning fehlte hier natürlich der Überraschungseffekt. Joey Kellys Ambitionen im Bereich Extremsport sind weitläufig bekannt. Ich war dennoch gespannt, den die Beschreibung des Deutschlandlaufs und die Reportage von Stern TV sahen sehr spannend aus und machten mich neugierig.

Das Buch beschäftigt sich allerdings nur zu einem Teil mit den angesprochenen drei Wochen in der Wildnis Deutschland. In großen Teilen erzählt Kelly von seinem Leben und gewährt persönliche Einblicke in seine Kindheit, Jugend und vor allem die Zeit mit der Kelly Family. Da gibt es dann auch solche Anekdoten, das er direkt nach dem Ironman in Roth mit dem Heli zum Konzert geflogen wird und noch mit der Startnummer auf der Brust auf der Bühne Gitarre spielt. Ich fand diese Passagen unterhaltsam und interessant. Dadurch ergibt sich ein Bild des Joey Kelly, das zumindest ich bisher nicht kannte.

Die anderen Kapitel (also die, die sich mit dem Lauf quer durchs Land beschäftigen), beschreiben gut, wie hart ein solcher Ultralauf durch die Zivilisation ist. Neben den körperlichen Strapazen und der mangelnden Nahrung ist vor allem die Einsamkeit ein harter Gegner, den zu besiegen gilt.

Mir hat das Buch gut gefallen und ich kann es dem interessierten Leser guten Gewissens weiterempfehlen. Man sollte vor dem Kauf aber wissen, worauf man sich einlässt. Es geht in dem Buch eben nicht nur um die Deutschlandtour. Eine Leseprobe findet sich beim Verlag in elektronischer Form oder in der Buchhandlung eures Vertrauens.

Bekenntnisse eines Nachtsportlers

Im letzten Jahr bin ich durch einen Artikel in der Kolumne von Wunderläufer Achim Achilles darauf aufmerksam geworden, das Wigald Boning an den Bieler Lauftagen an den Start gehen will. Für den 100 km Lauf, wohlgemerkt. Die 100 km haben auf mich so eine Art magische Faszination und ich gebe offen zu, das ich jeden bewundere der sich dieser Herausforderung stellt und sie meistert. Im Fall von Boning hatte es mich aber auch überrascht, das ich in der Vergangenheit nichts von seinen sportlichen Ambitionen mitbekommen hatte.

Ich hatte den Artikel schon wieder fast vergessen, als ich an Weihnachten ein Buch von von Wigald Boning unter dem Baum fand. In Bekenntnisse eines Nachtsportlers schildert er seinen sportlichen Werdegang und die von ihm erlebten Abenteuer.

Das Buch ist kurzweilig und mit viel Humor geschrieben und berichtet von den Anfängen seiner Laufkarriere, einer Alpenüberquerung zu Fuß, der Teilnahme an einem 24h Mountainbike-Rennen, Extrem-Tretbootfahrens und vielem mehr.

Ich habe die meisten Kapitel nach anstrengenden Trainingseinheiten in der Badewanne gelesen und mich dabei köstlich amüsiert.