Wer hat an der Uhr gedreht?

Wenn man feste Termine im Kalender stehen hat merkt man, wie schnell doch die Zeit vergeht. Mein nächster großer Termin im Kalender ist der Berlin Marathon. Als ich mich am 20. Oktober im letzten Jahr angemeldet hatte, war es noch richtig richtig lange bis zum großen Tag. Und jetzt sind es noch weniger als zwei Wochen.

In der Zwischenzeit ist natürlich viel passiert. Ich bin eine neue persönliche Bestzeit beim Hamburg Marathon gelaufen, habe mich im Halbmarathon und auf den 10 km verbessert. Nebenbei habe ich noch Schwimmen gelernt, habe an drei Triathlons teilgenommen und bin sogar einem Triathlon-Verein beigetreten. Ich hatte aber auch ein paar unangenehmere Wochen direkt nach Hamburg. Durch zuviel Training und zu wenig Regeneration hatten sich Entzündungen in einer Sehne in meinem Fuß sowie im Schleimbeutel in der Hüfte eingeschlichen. Das bedeutete erstmal eine Pause die sich im Wesentlichen über sechs Wochen hinzog. Danach hatte ich aber noch länger die Angst, das die Beschwerden wiederkommen und habe es beim Training nicht übertrieben. Das Training für Berlin war also nicht so optimal wie es hätte sein können.

Und jetzt, knappe zwei Wochen vor dem Startschuss muss ich mir so langsam überlegen was ich als Zielzeit anpeile um meine Strategie entsprechend zu planen und nicht zu langsam oder (was fataler wäre) zu schnell loslaufe. Direkt nach Hamburg hatte ich eine Zeit von 3:10h-3:15h im Sinn aber das in diesem Herbst nicht realistisch. Da fehlt mir einfach die nötige Form. Als machbares Ziel will ich mir den Bereich von 3:25h-3:30h vornehmen. Ich denke das meinen Körper langsam gut genug kenne um da halbwegs realistisch zu sein. Und wenn es ein wenig langsamer wird, dann macht mir das auch nicht. Es ist ja diesmal von Anfang an keine Jagd nach einer persönlichen Bestzeit, sondern vielmehr ein Genussmarathon. Aber ganz egal welche Zeit es auch werden wird: ich freue mich darauf!

Die Sightseeing Tour für den kommenden Sontag

In sechs Tagen steht mein zweiter Marathon an. Diesmal in der Stadt, in der ich lebe: Karlsruhe. Einen Teil der Strecke bin ich im letzten Jahr im Rahmen der Firmenstaffel bereits gelaufen. Aber das waren damals nur die ersten 15 Kilometer der zweiten Hälfte. Diesmal ist die gesamte Strecke fällig.

Ich freue mich schon, bin aber auch ein wenig aufgeregt. Es handelt sich um diese positive Aufregung, die sich in den Tagen vor einem großen Ereignis einstellt. Für mich selbst unterscheidet sich die Art der Aufregung auch von der, die ich im Frühjahr vor meinem ersten Marathon in Hamburg verspürt habe. Der Grund dafür ist einfach: diesmal weiß ich, worauf ich mich eingelassen habe.

Beim ersten Mal konnte ich ja nur ahnen, wie man sich nach 38 Kilometern fühlt. Heute weiß ich, dass man (oder zumindest ich) nach dieser Distanz ziemlich ausgelaugt ist. Ich weiß aber auch, das man dennoch ein Lächeln auf dem verschwitzen Gesicht haben kann.

Oh ja, und ich weiß auch dass so ein Marathon bei 28 Grad ziemlich anstrengend ist. Gegen 18 Grad und eine leichte Briese hätte ich also nichts auszusetzen… ;)

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Frankfurt Calling

Heute war die Anmeldebescheinigung für Frankfurt im Briefkasten. Für mich war das ein guter Anlass, um die letzten Monate noch einmal Revue passieren zu lassen und über die nächsten beiden großen Termine (Karlsruhe im September und eben Frankfurt im Oktober) nachzudenken.

Ich bin dieses Jahr bisher 1421 Kilometer gelaufen und habe immer noch viel Spass dabei. Außerdem habe ich dieses Jahr meinen ersten Marathon geschafft und bin das erste Mal die 10 Kilometer in weniger als 50 Minuten gelaufen. Das ist viel mehr, als ich noch Anfang des Jahres gedacht habe. Und darum ist es echt etwas ganz besonderes für mich.

Heute, einen guten Monat vor meinem zweiten Marathon, denke ich über die magischen 42 Kilometer ganz anders als noch im Frühjahr. Ich habe keine Angst, aber dafür sehr viel Respekt. Beim nächsten Mal hoffe ich, dass ich weniger aufgeregt bin und den ganzen Lauf mehr genießen kann. Oh ja, und für Frankfurt im Oktober wünsche ich mir, die volle Distanz in weniger als vier Stunden zu bewältigen. Und falls es nicht klappt, habe ich ja schon ein Ziel für 2012.

Ruhe (vor dem Sturm)

In den letzten Monaten habe ich so richtig Gas gegeben. Das wird mir immer klar, wenn ich mir die Daten aus meinem Forerunner ansehe. Da finde ich zwei Dinge echt erstaunlich. Zum einen die Wochen und Monatskilometer. Zum anderen aber die Entwicklung von meinem Pace.

Klar, verglichen mit einem Profi oder langjährigen Amateur sind die Werte nichts besonderes. Aber das Schöne am Laufen (zumindest für mich) ist ja, dass es keinen Leistungsdruck gibt. Im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten geht es beim Laufen nicht um den ersten Platz, sondern um das Durchhalten. Das Erreichen von Zielen. Wenn ich an einem Lauf teilnehme, dann nicht um als erster über die Ziellinie zu laufen. Das ist unrealistisch. Ich laufe da für mich selbst und neben dem Erreichen des Ziels ist die Verbesserung meiner eigenen Zeit noch ein Ziel. Aber auch wenn es sehr schön ist, einen eigenen Rekord zu brechen: für mich ist das Feeling beim Laufen am Schönsten.

So, jetzt bin ich aber ein wenig abgeschweift. Ich wollte eigentlich auf etwas anderes hinaus. Diese Woche habe ich ein (leider) bekanntes Gefühl in meiner Achillessehne gespürt. Zum letzen Mal spürte ich dieses Gefühl letzten Sommer, als ich eine Entzündung in der Achillessehne hatte. Und damals bin ich für drei Wochen ausgefallen.

Nun, man muss nicht Mathe studiert haben, um auszurechen, dass mir drei Wochen Pause zu diesem Zeitpunkt nicht ins Konzept passen würde. Daher habe ich mich jetzt dazu entschieden, die heutige Trainingseinheit (10 km in Wettkampftempo) ausfallen zu lassen und stattdessen meine Sehne mit Kühlpads zu versorgen.

Ich werde mich jetzt mal bis Montag oder Dienstag schonen und dann wieder mit dem Training einsteigen. Sehr viel Zeit bleibt jetzt ja auch nicht mehr. Ich denke aber, dass ich am Marathon mit einer gesunden Achillessehne und weniger Training mehr Spaß habe, als anders herum.

Die Angst geht, aber Ehrfurcht bleibt

So langsam fängt der Endspurt an… jetzt sind es noch 5 (in Worten: fünf) Wochen bis zum Marathon. Die Angst davor, die gut 42 Kilometer nicht zu packen ist in den letzen Wochen gewichen. Die langen Läufe von 30 bis 35 Kilometern, die ich Wochenende für Wochenende absolviert habe, haben mich überzeugt, dass ich die Marathondistanz prinzipiell bewältigen kann.

Prinzipiell, weil es natürlich viele unbekannte Faktoren gibt. Das Wetter zum Beispiel. Oder schlicht eine schlechte Tagesform oder gar eine Verletzung oder Erkrankung. Aber ich bin ein (unverbesserlicher) Optimist und will einfach einmal davon ausgehen, dass ich am 22. Mai körperlich fit bin und es keinen Temperaturrekord gibt.

Interessant werden freilich drei Dinge werden: die benötigte Zeit, mein körperlicher Zustand danach und vor allem das Gefühl während des Laufs. Ich glaube und hoffe, dass das mental ein tolles Erlebnis wird.

Wenn also auch die Angst geht, Ehrfurcht bleibt definitiv bestehen.

Projekt 42,195 Kilometer

Was bringt einen Menschen nur dazu, einen Marathon zu laufen? Das ist eine gute Frage, auf die ich eine gute Antwort haben sollte. Schließlich habe ich mir dies als Ziel für das Frühjahr 2011 gesetzt. In gut sechs Monaten möchte nämlich einen, bzw. meinen ersten Marathon laufen. Natürlich in unter 4 Stunden, so wie man sich das traditionell vor seinem ersten Marathon auch vornimmt.

Mit meinen 30 Jahren kann ich auf eine recht überschaubare sportliche Karriere zurückblicken. Vor gut 12 Jahren habe ich einmal für ein paar Jahre intensiv im Fitnessstudio trainiert. Flacher Bauch, dicke Muskeln, Frauen beeindrucken und so. Diese erste intensive sportliche Phase wurde dann recht abrupt durch den Begin meines Studiums beendet. Irgendwo fehlten das Geld und die Motivation, um weiterhin sechs Tage die Woche zu trainieren. Außerdem hatte ich damals eine Freundin und daher ja auch nicht den dringen Bedarf, mit einem flachen Bauch und dicken Muskeln irgendjemanden zu beeindrucken…

In den acht Semestern, in denen ich studierte, futterte ich mir dann ordentliche 25 Kilo an. Das sind gute 3 Kilo pro Semester. So etwas schafft man nur, wenn man seine sportlichen Aktivitäten auf das Minimum zurückschraubt.  Ich bin aber das lebende Beispiel, dass man es von BMI 22 auf fast BMI 30 locker in vier Jahren schaffen kann.

Nun, vor ein paar Jahren wollte ich dann einmal etwas gegen die ganz knapp dreistellige Zahl auf der Waage unternehmen und habe mir deshalb ein Paar tolle Laufschuhe gekauft. Natürlich hat man völlig untrainiert und mit Übergewicht keine tolle Kondition und so schaffte ich es damals nicht, am Ball zu bleiben und mit dem Laufen wirklich durchzustarten.

Die Jahre gingen ins Land und in meinem Leben änderten sich ein paar Dinge. Vor knapp drei Jahren erkannte ich letztlich, dass es mit mir so nicht weitergehen kann und ich wieder irgendwie in Form kommen muss. Ich beschäftigte mich viel mit einer gesunden Lebensweise und Ernährung und schaffte es so, innerhalb eines Jahres knapp 20 Kilo abzunehmen. Dieses Gewicht habe ich bisher ohne Anstrengungen halten können. Dazu kommt aber auch noch, dass ich mich damals aus ethischen Überzeugungen entschieden habe, Vegetarier zu werden und so sicherlich auch ein paar Kalorien einspare.

Während dieser Phase meines Lebens habe ich dann meine Laufschuhe wiederentdeckt und bin sehr unregelmäßig kurze Strecken gelaufen. Das Lauffieber hat mich dann aber erst dieses Frühjahr gepackt, als ich an meinem ersten 10 km Volkslauf teilnahm. Mir hat das Gefühl dabei unheimlich gefallen. Danach bin ich viel intensiver und bewusster gelaufen. Ich habe dieses Jahr an vier Volksläufen zwischen 6 und 15 Kilometern teilgenommen und von Veranstaltung zu Veranstaltung ist in mir der Wunsch gewachsen, mich der Herausforderung Marathon zu stellen.

Und in dieser Situation kann man entweder sagen “das würde ich gerne mal machen” oder “das mache ich”. Ich persönlich gehöre zur letztern Sorte. Ein Marathon im kommenden Frühjahr gibt mir etwa sechs Monate Zeit, um von meinem derzeitigen Leistungsstand zum Marathoni zu werden. Für mich ist das ein sportliches Ziel. Aber sonst würde ja auch irgendwo die Herausforderung fehlen, oder?

In diesem Blog möchte ich meine Trainingsfortschritte, Erfolge, Niederlagen und Gedanken zum Laufen dokumentieren. Und mich hin und wieder ausweinen, wenn ich bei Platzregen zum Training vor die Tür muss.

Oh ja, da wäre noch die Frage vom Anfang: was bringt einen Menschen nur dazu, einen Marathon zu laufen? Für mich lautet die Antwort: ich will mir beweisen, dass ich es kann. Das ich diszipliniert genug bin, um genug zu trainieren. Und das ich mental stark genug bin, um die vier Stunden durchzulaufen.